Telemedizin
Die Telemedizin ermöglicht es, medizinische Dienstleistungen und Informationen über große Entfernungen hinweg zu erbringen und bietet dabei eine Reihe von Vorteilen wie bessere Zugänglichkeit, Effizienzsteigerungen und eine schnellere medizinische Versorgung. Insbesondere in der Zeit der COVID-19-Krise, hat die Telemedizin ihre entscheidende Rolle bewiesen, indem sie Patienten den Zugang zu ärztlicher Betreuung ermöglichte, ohne physisch anwesend sein zu müssen.

Was ist Telemedizin?
Telemedizin ist ein Sammelbegriff für verschiedene Gesundheitsleistungen auf Basis von Kommunikations- und Informationstechnologien, um Menschen trotz räumlicher Distanz zu behandeln und medizinische Informationen auszutauschen.
Was ist das Ziel der Telemedizin?
Ein vorrangiges Ziel der Telemedizin ist es, Versorgungslücken zu schließen – gerade in ländlichen und unterversorgten Regionen.
Wie wird die Telemedizin heute angewendet?
Die Anwendungsmöglichkeiten für eine telemedizinische Gesundheitsversorgung sind vielfältig. Dabei unterscheiden sich zwei Prinzipien:
1. Synchrone Telemedizin
Bei synchronen telemedizinischen Konzepten kommunizieren die Beteiligten in Echtzeit. Das heißt, sie sind gleichzeitig anwesend und können sich direkt austauschen.
Beispiele sind:
- Ärzt:in ⬄ Patient:in: Videosprechstunde; Telemonitoring von Herzinsuffizienz
- Ärzt:in ⬄ Ärzt:in: Telekonsil zur Besprechung von Befunden
2. Asynchrone Telemedizin
Dagegen kommunizieren die Beteiligten im Rahmen der asynchronen Telemedizin zeitversetzt.
Beispiele sind:
- Ärzt:in ⬄ Patient:in: Informationsaustausch per E-Mail oder Chat; Ausfüllen von Online-Symptomfragebögen und -Tests
- Ärzt:in ⬄ Ärzt:in: Austausch von medizinischen Informationen zum Beispiel per elektronischer Patientenakte (ePA)
Aktuelle Anwendungsbeispiele der Telemedizin
Telemedizinische Konzepte werden in vielen Bereichen der Gesundheitsversorgung eingesetzt – darunter diese bekannten Beispiele:
- Videosprechstunde: Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen können per Videokonferenz ihre Patient:innen behandeln, ohne dass die Patient: persönlich in die Praxis kommen müssen. Im Rahmen einer Videosprechstunde können die Ärzt:innen elektronische Rezepte (E-Rezept) und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.
- Telemonitoring bei Menschen mit Herzinsuffizienz: Mithilfe spezieller Messgeräte können Patient:innen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz medizinische Daten an ein telemedizinisches Zentrum übermitteln. Dort werten Fachleute die übermittelten Informationen aus und schalten bei Bedarf die behandelnden Ärzt:innen ein. Sie können eingreifen, bevor sich die Erkrankung verschlechtert und eine Krankenhauseinweisung erforderlich ist.
- Telekonsile zwischen Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen und Zahnärzt:innen: Beispielsweise können Ärzt:innen patient:innenbezogene medizinische Informationen digital austauschen und sich dazu zeitgleich oder zeitversetzt beraten. Dabei können auch die betroffenen Patient:innen teilnehmen. Ein weiteres Beispiel sind Telekonsile im Rahmen der Notfall- und Akutversorgung. Dabei arbeiten die Rettungskräfte am Unfallort mit Ärzt:innen zusammen, die Untersuchungen oder Behandlungen anordnen. Auch die sogenannten Tele-Stroke-Units gehören in den Bereich der Telekonsile. Damit können Menschen mit Schlaganfall an kleineren Krankenhäusern bestmöglich versorgt werden, da Expert:innen aus größeren Kliniken ihren Kolleg:innen vor Ort telemedizinisch zur Seite stehen.
- Tele-Hausbesuch durch nichtärztliche Fachkräfte: Medizinische Fachangestellte (MFA) oder Pflegefachpersonen können Hausbesuche und bestimmte medizinische (delegierbare) Leistungen übernehmen. Dazu gehören die Wundversorgung oder das Messen von Vitaldaten. Bei diesen Besuchen können sie die verantwortlichen Ärzt:innen per Video zuschalten.
Chancen der Telemedizin
Patient:innen, Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen und Gesundheitsfachkräfte können gleichermaßen von telemedizinischen Angeboten profitieren:
- Einfacherer Zugang zur Versorgung: Telemedizin ermöglicht gerade jenen Patient:innen eine medizinische Versorgung, die nur mit großem Aufwand in eine Praxis oder Klinik kommen können. Das gilt für Menschen in ländlichen Regionen mit wenig Versorgungsangeboten oder für Patient:innen mit Mobilitätseinschränkungen wie nach einer Operation oder aufgrund einer Behinderung.
- Reduzierte Infektionsrisiken: Menschen mit Infektionserkrankungen können zu Hause behandelt werden, ohne dass sie im Wartezimmer oder in öffentlichen Verkehrsmitteln andere anstecken. Während der COVID-19-Pandemie konnten viele Menschen von diesem Vorteil der Telemedizin profitieren.
- Verbesserte Versorgung: Das Telemonitoring von beispielsweise Herzerkrankungen ermöglicht es, Verschlechterungen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu intervenieren, bevor die Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden müssen.
- Stärkere Vernetzung: Außerdem unterstützt die Telemedizin die Vernetzung von Versorgungseinrichtungen. So können Menschen in Notfallsituationen oder außerhalb der hochspezialisierten Zentren in Ballungsräumen mithilfe von Telekonsilen bestmöglich versorgt werden.
- Effizientere Versorgung: Durch den direkten, digitalen Austausch von Informationen vereinfachen und beschleunigen sich die Abläufe in den Arztpraxen und Kliniken. Damit können mehr Patient:innen in kürzerer Zeit betreut werden.
- Bewältigung des Fachkräftemangels: In ländlichen Regionen wird es immer schwieriger, Nachfolger:innen für Ärzt:innen zu finden, die in den Ruhestand gehen. Das Gleiche gilt für Nachbesetzungen in kleineren Krankenhäusern. Mithilfe telemedizinischer Strukturen lassen sich die Menschen in ländlichen Regionen an städtische Versorgungsangebote anbinden. So können sie trotz schwindender medizinischer Infrastruktur weiter versorgt werden.
- Weniger Kosten: Insgesamt kann die Telemedizin dazu beitragen, die Kosten der Gesundheitsversorgung zu reduzieren.
Herausforderungen und Hürden für die Telemedizin
Telemedizinische Versorgungskonzepte bieten allen Beteiligten überzeugende Vorteile. Dennoch stehen einer breiten Nutzung der Telemedizin zahlreiche Hürden im Weg:
- Die Technik: Eine schlechte Internet-Infrastruktur behindert die Nutzung der datenintensiven Telemedizin gerade in den ländlichen Regionen, die am meisten profitieren könnten. Dazu kommt, dass nicht alle technischen Komponenten nahtlos zusammenarbeiten können (mangelnde Interoperabilität).
- Die Regulierung: Der aktuelle rechtliche Rahmen schränkt eine breite Nutzung der Telemedizin ein. Alle Patient:innen sollten jederzeit und ohne Mengenbegrenzungen Zugang zu telemedizinischen Angeboten erhalten. Nur so könnten regionale Versorgungsengpässe und -lücken überwunden werden.
- Die Finanzierung: Die Vergütung von telemedizinischen Leistungen ist gegenüber der herkömmlichen Versorgung schlechter gestellt oder nicht gegeben. Eine gleichwertige Honorierung von Video- und Präsenzsprechstunden wäre ein erster richtiger Schritt. Generell braucht es jedoch eine neue Vergütungsstruktur für die Telemedizin mit beispielsweise überregionalen Budgets und mit einer differenzierten Honorierung von Leistungen für die Akut- und Langzeitversorgung.
Ausblick: Zukünftige Entwicklung der Telemedizin
In den kommenden Jahren stehen alle Beteiligten vor der Aufgabe, die hohe Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland trotz multipler Herausforderungen aufrechtzuerhalten. Denn der sich vergrößernde Fachkräftemangel und ein zunehmendes Stadt-Land-Gefälle werden bestehende Versorgungsengpässe weiter verschärfen. Hier kann die Telemedizin Lösungen für mehr Versorgungssicherheit in der Fläche bieten.
Neben den bekannten werden sich neue Telemedizinangebote etablieren, zum Beispiel:
- Mit dem Digital-Gesetz ist es jetzt rechtlich möglich, Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) für das Telemonitoring von Patient:innen einzusetzen.
- Denkbar sind zudem hybride Versorgungsmodelle, in denen DiGA die ärztliche Behandlung telemedizinisch begleiten und unterstützen.
- Eine Einbindung der DiGA in die Telematik-Infrastruktur (TI) könnte die datensichere Kommunikation zwischen Patient:innen, Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen vereinfachen.
Allerdings hängt die Zukunft der Telemedizin von wichtigen Einflussfaktoren ab:
- Auskömmliche Finanzierung der telemedizinischen Leistungen
- Barrierefreier Zugang zu und eine bessere Information über telemedizinische Angebote für Patient:innen und Behandler:innen
- Verstärkte Akzeptanz der Telemedizin durch alle Versorgungsbeteiligten
Antworten auf häufige Fragen zur Telemedizin
Was ist Telemedizin?
Unter den Begriff Telemedizin fallen Gesundheitsleistungen, die mithilfe von Kommunikations- und Informationstechnologien, trotz räumlicher Distanz erbracht werden.
Wie unterscheiden sich synchrone und asynchrone Telemedizinangebote?
Bei synchronen Telemedizinangeboten kommunizieren die Beteiligten zeitgleich und bei asynchronen telemedizinischen Leistungen zeitversetzt. Beispiele sind die synchrone Videosprechstunde und der asynchrone Informationsaustausch per E-Mail.
Welche Vorteile bietet die Telemedizin?
Die Telemedizin kann dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen und den Zugang zur medizinischen Versorgung zu vereinfachen. Sie kann die Versorgung verbessern und effizienter gestalten. Außerdem bietet die Telemedizin einen Lösungsansatz zur Bewältigung des Fachkräftemangels.
Welche Herausforderungen behindern die Telemedizin?
Technische Hürden, ungelöste Finanzierungsfragen und regulatorische Einschränkungen behindern derzeit eine breite Nutzung der Telemedizin.






